Archiv für Oktober 2007

Volksbefreiungsbewegungen

Ach ja, die gute Antifaschistische Linke Berlin. Ihre Antifajugend veranstaltet im November einen Kongress auf dem „Nationale Symboliken“ unerwünscht sind. Dass sich das Nationalfahnenverbot in erster Linie gegen Israelfahnen richtet dürfte allen klar sein, die auch nur irgendwas von linken Debatten in den letzten Jahren mitgekriegt haben. Gleichzeitig ruft die ALB, anlässlich der Krawalle in Berlin zwischen türkischen und kurdischen Jugendlichen, auf ihrer Seite fleißig zum Volksaufstand inklusive Nationalfahnen auf.

Wenn das mal nicht antinational ist.

antikapitalistischer wahnsinn


Am 22. Oktober ist es endlich soweit. Die Fahrradfabrik in Nordhausen nimmt den Betrieb wieder auf. Völlig selbstverwaltet und ohne Chefs wird ab 6:30 Uhr morgens das „Strike-Bike“ produziert.

6:30? Das ist nicht meine Revolution!

Deutschland einig Karneval

Der 3. Oktober, frei ist sowieso, also warum nicht ins Hinterland fahren um Nazidemos zu… ja was eigentlich? Die antifaschistische Dreifaltigkeit? Stören, Blockieren, Verhindern? Was soll diese dämliche Parole? Realitätsferner geht es ja wohl kaum, auch wenn so einige Dorfautonome das sicher nicht einsehen wollen, eine ernsthafte Chance Nazidemos zu verhindern hat man, wenn überhaupt noch, in Großstädten. Also was dann? Pseudoaktivismus trifft es wohl ganz gut. Den schwarzen Kapu an und dann den halben Tag durch die Gegend rennen, über ein paar Zäune drüber, rumstehen und nicht wissen wie man reagieren soll, wenn dann doch mal was passiert, sich am Ende von der Polizei verprügeln lassen, aber dann sagen können, man hat es ja versucht. Man war da, man hat was gemacht.
Und wenns nicht geklappt hat, dann waren halt die Bürger dran Schuld.
Als ob irgendjemand mit auch nur einem Funken Restvernunft daran glauben würde, dass ausgerechnet deutsche Provinzler sich bei Nazidemos um mehr sorgen als den Ruf ihrer Stadt, wenn sie denn überhaupt Sorgen haben.
Auch am 3. Oktober war und ist das so, und mit Sicherheit wird es auch so bleiben. Aber letzten Mittwoch war es mit trotzdem gegönnt den absoluten Höhepunkt bürgerlichen Anti-Nazi Engagments zu beobachten.

Aufgestellt als ob gleich ein Fastnachtsumzug um die Ecke ziehen würde warteten die Einwohner Germersheims auf ihrem Marktplatz, die bunten Ballons in der Hand, das „Helau“ auf den Lippen. Pardon, „Nazi raus“ natürlich. Auch wenn eben jener Spruch weniger angebracht ist als der Kampfschrei betrunkener Karnevalstouristen die sich um 10 Morgens schon soviel Klaren reingekippt haben, dass sie auf dem Umzug die „Themenwagen“ die die Politik von „denen da oben“ gegen „den kleinen Man(n?)“ beklagen kaum noch erkennen.
Denn das Szenario ähnelt dem deutschen Feiertag schlechthin doch mehr als irgendeiner Form von Protest. Die Dorfautonomen werden von einer BFE Einheit durch die Straße geprügelt, statt Konfetti und Bonbons gibt es Tonfas und CS Gas, die Menge applaudiert. Ob aus Begeisterung über den Blockadeversuch der Autonomen oder über deren gewaltsame Entfernung ist nicht ganz klar. Schließlich die Hauptattraktion: 150 bekennende Nazis, zwei Trommler, hässliche Frisuren.
Bleibt nur noch die Frage wer der „Narr“ ist, der Nazi, der den 3. Oktober nicht feiern will, weil er meint, dass Deutschland noch nicht wiedervereinigt ist, oder der Nazi der sich auf dem Dorfplatz stehend mit dem Peacelogo auf dem Schild einredet er wäre keiner.

Ohne eine Antwort auf diese Frage zu geben gehen am Ende des Tages doch alle Beteiligten glücklich und zufrieden nach Hause, die Nazis weil sie demonstrieren konnten, die Deutschen weil sie für sich beanspruchen können keine Nazis zu sein, und die Dorfautonomen weil weil sie es mal wieder versucht haben. Fastnacht ist doch nicht nur einmal im Jahr.