Archiv für Februar 2009

Sieg Helau

Wolle´mer´e noilasse – noi, noi, noi, noi!

Ref.
Drei Tage lang besoffen sein, wer nicht mitmacht ist ein Schwein.
Hinter Masken sich verstecken ? Faschingspack,
Tittengrapscher hinter Ecken ? in den gelben Sack.
Und dann glotzt der geile Bock Funkenmariechen untern Rock.
Heuchelei, nicht zu ertragen, Kamelle sollen euch erschlagen.

Konservativ das ganze Jahr, rasten sie aus im Februar.
Die, die sonst die Punks begaffen, machen sich total zum Affen.

Was sonst gilt als asozial, das ist erlaubt beim Karneval.
Breit zu sein, legitimiert, traut man sich voll kostümiert.

Ref

Tage falscher Fröhlichkeit, ein Lachen aufgesetzt,
ich scheiss auf fünfte Jahreszeit, ich hass sie wie die Pest.

Drei Tage sind sie einheitsbreit, das Blut mit Alk versetzt,
ist sie vorbei, die Faschingszeit, kommt das Oktoberfest.

Wolle´mer´e noilasse ? noi, noi, noi,
wolle´mer Narrhallamarsch ? voll fürn Arsch.
Wir wolln keine Faschingsschweine ? noi, noi, noi,
nieder mit dem Faschingspack ? in den Sack.

Mainz bleibt Mainz wie´s stinkt und kackt,
Spiesserkultur als Witz verpackt.

Man sieht den dekadenten Haufen,
lachen, schunkeln, gröhlen, saufen.

Bepisst vor Lachen kann man sie sehn,
über Witzchen, die sie nicht verstehn.

Faschingsschwein, Du hältst die Klappe,
ich piss in Deine Narrenkappe.

Dem Faschoprinz dreifach Helau, wer nicht mitmacht ist ne Sau.

Das dumme Volk beginnt zu toben ? Faschingspack,
den rechten Arm zum Gruss erhoben ? in den gelben Sack.

Das Faschingspack singt seine Lieder,
„Sieg Helau“, so schallt es wieder.

Scheiss auf Narren und die Jecken,
solln sie in der Bütt verrecken.

Bolzen~ Faschingspack
via nada ;)

Further Reading:
Esther Martin in der Prodomo:
Ein Mordsspaß – Anmerkungen zum Rheinischen Karneval Teil 1 Teil 2

Randbemerkung

Die Bilder, die sich von jedem Aspekt des Lebens abgetrennt haben, verschmelzen in einen gemeinsamen Lauf, in dem die Einheit dieses Lebens nicht wiederhergestellt werden kann. Die teilweise betrachtete Realität entfaltet sich in ihrer eigenen allgemeinen Einheit als abgesonderte Pseudo-Welt, Objekt der bloßen Kontemplation. Die Spezialisierung der Bilder der Welt findet sich vollendet in der autonom gewordenen Bildwelt wieder, in der sich das Verlogene selbst belogen hat. Das Spektakel überhaupt ist als konkrete Verkehrung des Lebens, die eigenständige Bewegung des Unlebendigen.

Kampfansage

Es ist vielleicht aber nicht falsch, die wirklich antideutsche Attitüde als Ausstaffierung des kommunistischen Programms (und nicht als politisches Programm selbst) gegen ihre dümmsten Freunde zu verteidigen.

Israel auf dem Prüfstand

Wenn ein gelangweilterantisemitischer Blogger sich mal wieder genötigt fühlt eine Sau durchs Dorf zu treiben, soll heißen Israels Schutzfunktion für Juden unter Ausblendung von exterminatorischen Krisenlösungsideologien einer allgemeinen Staatskritik unterwerfen zu wollen, und darüber hinaus noch beleidigt den Juden, die sich mit den einzigen Mitteln die einem in der äußert ekligen und wenig menschenfreundlichen (Achtung Moral!) kapitalistisch verfassten Welt bleiben, gegen jene zu Wehr setzen die ihren Tod bereits beschlossen haben, vorwerfen sie würden sich nicht für eine kommunistische Gesellschaft einsetzen, springen wie das nicht anders zu erwarten ist diverse Freunde des Ticketdenkens darauf an.
Da Diskussionen mit Antisemiten meine Sache nicht sind, sei hier auf den einen lesenwerten Beitrag verwiesen, von Politikberatungen ala schildkröte („Eine Kritik dahingehend zu formulieren, dass Israels Regierung falsche Entscheidungen trifft, und die Angriffe nicht richtig abwehrt, also ein realpolitischer Diskurs über verschiedene Militäroperationen ist dagegen legitim. Aber gerade das willst du ja anscheinend nicht.“) sollte man aber die Finger lassen wenn man sich mit dem Argument, dass eine grundsätzliche Staatskritik wie hier von den üblichen Verdächtigen gefordert, eine Banalität ist, nicht blamieren will. Antideutschen Bloggern die sich mit solchen und ähnlich wichtigen Fragen beschäftigen sei der Israel-wahlomat der anderen Idioten ans Herz gelegt, aber bitte, seid dann wenigstens so ehrlich und lasst das mit dem Kommunismus im Selbstverständnis doch endlich mal weg.

Warum nun jemand auf das armselige Gepöbel eines pubertierend-identitären Vollidioten, dessen halbverdauter GSP-Jargon gerademal dazu reicht sich die Realität wegzuprüfen, überhaupt reagiert, ist wohl die interessanteste Frage die sich aus der ganzen Scheindiskussion ergibt.

Deutsche Traditionen

Das antizionistische bis antisemitische Töne in der deutschen Presselandschaft eher die Regel als die Ausnahme sind hat zuletzt der Krieg im Gaza wiedereinmal, für jeden der es mit der Kritik an eben jenem Antisemitismus ernstmeint, ohne weiteres erkennbar, gezeigt. Das aber eine deutsche Tageszeitung so offen so viele Topoi das primären und sekundären Antisemitismus herrunterbetet, und das ganz ohne auf den „ehrbaren Antisemitismus“ in Form des Antizionismus zurückgreifen zu müssen, der Artikel befasst sich schließlich nicht mit Israel, ist selbst im postnazistischen Alltag Deutschlands eine Erwähnung wert.
Ein Redakteur der Hannoverschen Zeitung erblödete sich tatsächlich, der Kritik von Charlotte Knobloch der Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, an Papst Bendedikt bezüglich dessen Wideraufnahme eines bekannten Holocaustleugners in die Kirche, nicht nur mit dem Ruf nach dem längst gesellschaftlich durchgesetzten „Schlussstrich“ zu erwidern, nein, er will in der Kritik an der Duldung von Holocaustleugnern gleich den Vorwurf einer

„Generalschuld“ eines ganzes Volkes bis in die 3, 4, 5 Generation

erkannt haben. Wenn nun aber ein wahnhafter Schreibtischtäter wie dieser am Werke ist, kann die unschuldig daherkommende Ablehnung der, nie vorgeworfenen und im vorliegenden Fall nicht einmal thematisch erwähnten, Kollektivschuld natürlich noch nicht alles sein.
Also hetzt er munter weiter:

Der in Deutschland aufkeimende Antisemitismus basiert zum größten Teil auf Vorurteilen, die entstehen weil sich einige, wenige Persönlichkeiten immer wieder ins Rampenlicht spielen müssen

Zuerst das übliche Gewäsch, die Juden seien selbst Schuld am Antisemitismus, das wusste und weiß noch jeder Antisemit zu berichten, schließlich Verhielten sie sich falsch, soll heißen dem Bild das der Antisemit vom Juden hat entsprechend. Was für den Redakteur falsches Verhalten ist, ist die Kritik, die wiederholte Kritik an Holocaustleugnung und ähnlichen Ausfällen von christlichen oder nationalistischen Judenfeinden.
Folgerichtig, wenn die Juden den Antisemitismus versursachen, ist ebenjener eine vollkommene Unmöglichkeit in Deutschland:

Das sollte uns doch klar vor Augen führen, in Deutschland keine es keine Basis für einen fundierten Antisemitismus, einfach weil die wenigsten Einwohner positive oder negative Erfahrungen in ihrem persönlichen Umfeld machen konnten.

Die Behauptung es gäbe einen fundierten Antisemitismus, die für sich alleine schon das Bekenntnis des Verfassers ist, Antisemit zu sein, aber eben aus Mangel an Juden in Deutschland nicht hier, dient dem dem Verteidiger des Mordkollektivs von 1939-1945 und deren ideologischen Nachfolgern als billiger Versuch der Verschleierung der Tatsache, dass er selber schon mitten drin ist, in der antisemitischen Projektion.

Nachtrag: Anti hat den Artikel aus dem Cache gefischt und dort taucht noch ein Absatz auf der bei der momentanen Onlineversion offensichtlich entfernt wurde, aber ein durchaus passendes Ende bietet:

Stellen sie sich einmal vor das wir uns den ganzen Tag überlegt haben, ob wir diesen Bericht schreiben können, oder ob wir damit in eine antisemitistische Ecke gedrückt werden, in der wir uns als Journalisten nicht sehen. Und das obwohl wir in einem Land leben in dem schon mit Blick auf die Geschichte jeder das Recht haben sollte, seine Meinung frei zu sagen.

Antisemitische Pamphlete nicht trotz, sondern wegen der „deutschen Geschichte“ abdrucken, so macht das ein wahrer Aufarbeitungsweltmeister.

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