Deutsche Traditionen

Das antizionistische bis antisemitische Töne in der deutschen Presselandschaft eher die Regel als die Ausnahme sind hat zuletzt der Krieg im Gaza wiedereinmal, für jeden der es mit der Kritik an eben jenem Antisemitismus ernstmeint, ohne weiteres erkennbar, gezeigt. Das aber eine deutsche Tageszeitung so offen so viele Topoi das primären und sekundären Antisemitismus herrunterbetet, und das ganz ohne auf den „ehrbaren Antisemitismus“ in Form des Antizionismus zurückgreifen zu müssen, der Artikel befasst sich schließlich nicht mit Israel, ist selbst im postnazistischen Alltag Deutschlands eine Erwähnung wert.
Ein Redakteur der Hannoverschen Zeitung erblödete sich tatsächlich, der Kritik von Charlotte Knobloch der Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, an Papst Bendedikt bezüglich dessen Wideraufnahme eines bekannten Holocaustleugners in die Kirche, nicht nur mit dem Ruf nach dem längst gesellschaftlich durchgesetzten „Schlussstrich“ zu erwidern, nein, er will in der Kritik an der Duldung von Holocaustleugnern gleich den Vorwurf einer

„Generalschuld“ eines ganzes Volkes bis in die 3, 4, 5 Generation
erkannt haben. Wenn nun aber ein wahnhafter Schreibtischtäter wie dieser am Werke ist, kann die unschuldig daherkommende Ablehnung der, nie vorgeworfenen und im vorliegenden Fall nicht einmal thematisch erwähnten, Kollektivschuld natürlich noch nicht alles sein.
Also hetzt er munter weiter:
Der in Deutschland aufkeimende Antisemitismus basiert zum größten Teil auf Vorurteilen, die entstehen weil sich einige, wenige Persönlichkeiten immer wieder ins Rampenlicht spielen müssen

Zuerst das übliche Gewäsch, die Juden seien selbst Schuld am Antisemitismus, das wusste und weiß noch jeder Antisemit zu berichten, schließlich Verhielten sie sich falsch, soll heißen dem Bild das der Antisemit vom Juden hat entsprechend. Was für den Redakteur falsches Verhalten ist, ist die Kritik, die wiederholte Kritik an Holocaustleugnung und ähnlichen Ausfällen von christlichen oder nationalistischen Judenfeinden.
Folgerichtig, wenn die Juden den Antisemitismus versursachen, ist ebenjener eine vollkommene Unmöglichkeit in Deutschland:

Das sollte uns doch klar vor Augen führen, in Deutschland keine es keine Basis für einen fundierten Antisemitismus, einfach weil die wenigsten Einwohner positive oder negative Erfahrungen in ihrem persönlichen Umfeld machen konnten.

Die Behauptung es gäbe einen fundierten Antisemitismus, die für sich alleine schon das Bekenntnis des Verfassers ist, Antisemit zu sein, aber eben aus Mangel an Juden in Deutschland nicht hier, dient dem dem Verteidiger des Mordkollektivs von 1939-1945 und deren ideologischen Nachfolgern als billiger Versuch der Verschleierung der Tatsache, dass er selber schon mitten drin ist, in der antisemitischen Projektion.

Nachtrag: Anti hat den Artikel aus dem Cache gefischt und dort taucht noch ein Absatz auf der bei der momentanen Onlineversion offensichtlich entfernt wurde, aber ein durchaus passendes Ende bietet:

Stellen sie sich einmal vor das wir uns den ganzen Tag überlegt haben, ob wir diesen Bericht schreiben können, oder ob wir damit in eine antisemitistische Ecke gedrückt werden, in der wir uns als Journalisten nicht sehen. Und das obwohl wir in einem Land leben in dem schon mit Blick auf die Geschichte jeder das Recht haben sollte, seine Meinung frei zu sagen.

Antisemitische Pamphlete nicht trotz, sondern wegen der „deutschen Geschichte“ abdrucken, so macht das ein wahrer Aufarbeitungsweltmeister.

artikel via


4 Antworten auf „Deutsche Traditionen“


  1. 1 w 02. Februar 2009 um 21:59 Uhr

    korrektur:
    die vorsitzende des zentralrats heißt knobloch, nicht -lauch.
    und es ist nicht die hannoversche allgemeine, sondern die „hannover zeitung“.

    sonst alles richtig ;)

  2. 2 Administrator 02. Februar 2009 um 22:14 Uhr

    musste schnell gehen, da passiert sowas mal.
    aber zustimmung vom „linientreuen communisten waiting“(zitat bad blog), da werd ich ja gleich rot. ;)

  3. 3 dan reason 06. Februar 2009 um 21:49 Uhr

    Noch aufschlussreicher als der Artikel selbst (wenn das überhaupt noch geht) ist die Diskussion darüber auf den Seiten der Hannover Zeitung.
    Einige Zitate?

    „Ich verabscheue den Zentralrat der Juden, denn dieser nutzt seine Sonderstellung schamlos aus und beschwört in der Tat einen neuen Antisemitismus hervor.“

    Frage an einen überzeugten Geschichtsrevisionisten mit dem prägnanten nick „Volksdeutscher“:
    „Das ist strafbar, was Du hier postest. Das ist Dir klar, ja?“
    wurde von „matrix“ geantwortet:
    „Und Du bist das Mittelalter, Jaaaa. Streng endlich Deine Erbse an, damit sie mal blüten trägt.“

    Und auch in der Welt, der Bild für Besserverdienende, bei der ja auch einige Postantideutsche inzwischen gelandet sind, lassen sich die Leser_innen gehen. In diesem Fall besonders aufgrund der Kommentare von Kanzlerin Merkel zur Sache:

    „Vielleicht hätte Angela Merkel ja auch eine strengere Hand in ihrer Jugend gebraucht, dann würde sie heute nicht so oft mit ihren ‚Weitsichten‘ daneben liegen.“

    „…Ich bin ja sonst bestimmt nicht Papsttreu, aber diesmal… alle Achtung Benedikt.
    Die Wahrheit wird siegen!“

    Welche „Wahrheit“ damit gemeint ist, dürfte klar sein…

    Alles in allem sehr ekelhaft.

    Kleine Spitze am Rande: in der Sidebar von Welt Online war bei meinen Recherchen die gesamte Zeit ein Hinweis auf „Das Islam-Rätsel – was wissen sie über die muslimische Weltreligion?“ Wenn man darauf klickt sticht einem sofort die Titelzeile „Sind sie ein Islamversteher?“ ins Auge. Zum Glück nicht. Religions suck.

  1. 1 KrautLand - Beitrag - Juedische Antisemiten - Von BoredLand Pingback am 08. Februar 2010 um 12:56 Uhr

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