Archiv der Kategorie 'antipolitics'

Arbeit nervt!

Naziaufmarsch am 1. Mai in Mainz zum Desaster machen

Zuhause beim Ex-Punker

Es geht um Israel

Die Welt steht Kopf, zumindest wohl die der deutschen Nazis. Seit im Internet der Blog „Nationale Sozialisten für Israel“ die Runde macht ist auf Altermedia und auch im linken Bloggersumpf das große Raten angesagt, Fake oder nicht, Israel ja oder nein und am wichtigsten die bedeutendste Frage antifaschistischer Widerständler: wer sind jetzt überhaupt Nazis, Antideutsche oder Antiimps oder am Ende doch der ganze Haufen von NPD bis Israelsolidarischen AN’s?
Die üblichen Verdächtigen springen vor Freude fast im Kreis ob der sich endlich bietenden Gelegenheit die, ihrerseits oft auf Gleichsetzung mit Nazis verkürzte, Kritik der Antideutschen an linken propalästinensischen Positionen umgekehrt zu reproduzieren.
So heißt es in Wendys Kommentarspalte: „vielleicht hast du recht & für die antifaschistischen anti-ds wäre es es ein kathartisches erlebnis, wenn sie auf ihrem nächstem israeltag mit disen komischen nasofi um die größte fahne konkurieren… “ und bei Elser noch einmal deutlicher:“Begreif doch mal das es vollkommen unerheblich ist ob das Autonome Nationalisten oder Linke waren, die sich ein Spass erlaubt haben.
In deren Statements und Texte zeigen sich deutliche Anknüpfungspunkte für Antideutsche. Schau dir mal die Altermedia Kommentare an , die Hälfte davon geben neuerdings ne positive Resonanz zu Isreal ab. Da ist es scheißegal ob das ein Fake ist.“
Wo sonst bei der Erwähnung der, nun immerhin schon über 70 Jahre andauernden, Unterstützung antisemitischer Mordkollektive durch deutsche Nazis die Ausrede benutzt wird, dass sich ja der Grund zum, szeneadäquat gerne als „Solidarität“ bezeichneten, Bekenntnis zum organisierten Judenmord völlig von dem der Nazis unterscheide und man eben diesen zu untersuchen habe und überhaupt, Nazis sich nur linker Rhetorik bedienen und das Auftreten kopieren um die ach so unschuldige Jugend zu verführen, wird jetzt auf peinlichste Weise der Moment gefeiert in dem man auch endlich mal den beliebten Nazivergleich benutzen kann um sich nicht mit Argumenten auseinandersetzen zu müssen.
Dass Antideutsche Israel tatsächlich aus ethnopluralistischer Erwägung heraus unterstützen ist höchstens der Wunschtraum einiger frustrierter Palästinafreunde, die aber, wie für Denunzianten üblich, jegliche Belege für ihre Thesen schuldig bleiben. Merkwürdig nur, warum das jetzt alles so neu und aufregend erscheint, hat Politically Incorrect schon jahrelang vorexerziert wie man rechten Philosemitismus in Deutschland zu betreiben hat und wie schnell ebenjener, bei PI vor allem in den Kommentaren feststellbar, in handfesten Antisemitismus umschlagen kann.

Die Gesellschaft des Wirtschaftswunders, die Volksfront der Tümmerfrauen und Neckarmänner bestaunte die Aufbauleistung Israels und lobte sich selbst darin über den grünen Klee. Denn langsam begann es den Deutschen zu dämmern, daß sie sich in Sachen ‚Jude‘ gründlich verrechnet hatten, daß die Gewinne aus der ‚Arisierung‘ die Kosten aus der ‚Niederlage‘ nicht wettmachten, daß der ‚Sieg‘ über die europäischen Juden noch lange nicht den Siegfrieden der Alliierten gebracht hatte und daß der Führer zwar bis 1938 ein Staatsmann wie nur Bismarck war, aber danach wohl den Verstand verlor und zum Dämon entartete. Die Fusionierung dieses von Wolfgang Fritz Haug als „hilfloser Antifaschismus“ gründlich mißverstandenen Phänomens (Haug 1972) mit philosemitisch artikuliertem Antisemitismus projezierte auf Israel das endlich verwirklichte Ideal einer wehrhaften und bienenfleißigen Volksgemeinschaft, die sich in einem Meer von Feinden gegen kulturlose Barbaren und kommunistische Agenten zu behaupten verstand – eine völkische Halluzination, die die „linken“ Antizionisten mit der Gleichung „Zionismus=Faschismus“ kurzentschlossen umdrehen und den Juden so als Nachteil vorrechnen, was den Eltern nach 1945 als deren Vorzug galt

ISF 2002

PS: Wen dieser langweilige Mist näher interessiert, im*moment*vorbei und hotactionnews haben jeweils eine Übersicht zu bisher geführten Diskussionen und erschienen Blogeinträgen. Bikepunk schreibt zur Reaktion in der Naziszene.

Deutschland einig Karneval

Der 3. Oktober, frei ist sowieso, also warum nicht ins Hinterland fahren um Nazidemos zu… ja was eigentlich? Die antifaschistische Dreifaltigkeit? Stören, Blockieren, Verhindern? Was soll diese dämliche Parole? Realitätsferner geht es ja wohl kaum, auch wenn so einige Dorfautonome das sicher nicht einsehen wollen, eine ernsthafte Chance Nazidemos zu verhindern hat man, wenn überhaupt noch, in Großstädten. Also was dann? Pseudoaktivismus trifft es wohl ganz gut. Den schwarzen Kapu an und dann den halben Tag durch die Gegend rennen, über ein paar Zäune drüber, rumstehen und nicht wissen wie man reagieren soll, wenn dann doch mal was passiert, sich am Ende von der Polizei verprügeln lassen, aber dann sagen können, man hat es ja versucht. Man war da, man hat was gemacht.
Und wenns nicht geklappt hat, dann waren halt die Bürger dran Schuld.
Als ob irgendjemand mit auch nur einem Funken Restvernunft daran glauben würde, dass ausgerechnet deutsche Provinzler sich bei Nazidemos um mehr sorgen als den Ruf ihrer Stadt, wenn sie denn überhaupt Sorgen haben.
Auch am 3. Oktober war und ist das so, und mit Sicherheit wird es auch so bleiben. Aber letzten Mittwoch war es mit trotzdem gegönnt den absoluten Höhepunkt bürgerlichen Anti-Nazi Engagments zu beobachten.

Aufgestellt als ob gleich ein Fastnachtsumzug um die Ecke ziehen würde warteten die Einwohner Germersheims auf ihrem Marktplatz, die bunten Ballons in der Hand, das „Helau“ auf den Lippen. Pardon, „Nazi raus“ natürlich. Auch wenn eben jener Spruch weniger angebracht ist als der Kampfschrei betrunkener Karnevalstouristen die sich um 10 Morgens schon soviel Klaren reingekippt haben, dass sie auf dem Umzug die „Themenwagen“ die die Politik von „denen da oben“ gegen „den kleinen Man(n?)“ beklagen kaum noch erkennen.
Denn das Szenario ähnelt dem deutschen Feiertag schlechthin doch mehr als irgendeiner Form von Protest. Die Dorfautonomen werden von einer BFE Einheit durch die Straße geprügelt, statt Konfetti und Bonbons gibt es Tonfas und CS Gas, die Menge applaudiert. Ob aus Begeisterung über den Blockadeversuch der Autonomen oder über deren gewaltsame Entfernung ist nicht ganz klar. Schließlich die Hauptattraktion: 150 bekennende Nazis, zwei Trommler, hässliche Frisuren.
Bleibt nur noch die Frage wer der „Narr“ ist, der Nazi, der den 3. Oktober nicht feiern will, weil er meint, dass Deutschland noch nicht wiedervereinigt ist, oder der Nazi der sich auf dem Dorfplatz stehend mit dem Peacelogo auf dem Schild einredet er wäre keiner.

Ohne eine Antwort auf diese Frage zu geben gehen am Ende des Tages doch alle Beteiligten glücklich und zufrieden nach Hause, die Nazis weil sie demonstrieren konnten, die Deutschen weil sie für sich beanspruchen können keine Nazis zu sein, und die Dorfautonomen weil weil sie es mal wieder versucht haben. Fastnacht ist doch nicht nur einmal im Jahr.